Kleiner Stadtrundgang
Kleiner Statdrundgang durch das historische Engers.
Start/Ziel: Altes Rathaus, Alte Schloßstraße 3, Engers
Altes Rathaus
Das „Alte Rathaus“ wurde im Jahre 1642 errichtet und war bis zum Jahre 1970 Sitz der Verwaltung der selbständigen Stadt Engers. 1970 erfolgte die Eingemeindung nach Neuwied. Heute dient es den Engerser Vereinen und Organisationen als Versammlungsstätte.
Die Mauerhaken am Gebäude bilden die Anfangsbuchstaben des Hausspruches:
Gott Beschütze Dieses Haus Vor Feuer, Blitz Und Sturmgebraus.
Sein Turm beherbergt noch eine Glocke aus dem Jahre 1791.
Einige Worte noch zum Ort Engers
Im Jahre 773 finden wir die erste urkundliche Erwähnung, obwohl Siedlungsfunde auf eine viel ältere Besiedlung hinweisen, denn schon, als die Franken dieRheinlande ca. 300-400 n. Chr. in Besitz nahmen, gaben sie ihrem nördlichsten Gau in Rheinfranken den Namen nach dem größten hier befindlichen Ort und nannten ihn: Engersgau.
Er zieht sich rheinab bis zur heutigen Grenze zu Nordrhein-Westfalen, rheinauf bis zur Lahnmündung und hoch in den Westerwald bis nach Dreifelden. Beherrscht wurde ein Gau von dem Gaugrafen. Dies waren zunächst verdiente eigene Feldherren der Franken. Später bedienten sie sich aus den regional angesiedelten Grafschaften.
So war der letzte Gaugraf des Engersgaues Meffriedus de Wide im 11. Jahrhundert.
Ihm gehörte Engers, zunächst als Lehen und später als Besitz.
1357 erhielt Graf Wilhelm I. zu Wied für sein Engers die Stadtrechte von Kaiser Karl IV., doch 1371 musste er, nach einem Streit mit dem Trierer Kurfürst Cuno von Falckenstein Engers an diesen abtreten.
Schloss-Schenke
Historisches Gasthaus mit Hotellerie. Über das Jahr der Erbauung besteht Uneinigkeit. Während die Untere Denkmalschutzbehörde das Jahr 1691 annimmt, wird von den jeweiligen Eigentümern das Jahr 1621 angegeben.
Das Jahr 1621 lässt sich im Inneren an einem Treppenbalken ablesen.
Im Jahr 1932 wurde der bis dahin verputzte Giebel des Gebäudes mit Hilfe der Denkmalpflege freigelegt und das darunter befindliche Fachwerk sichtbar gemacht. Anfang der fünfziger Jahre wurde aus dem „Gasthaus zum Schloss" die „Schloss-Schenke“, die auch heute noch diesen Namen trägt.
Residenz Schloss Engers am Martinsbrunnen
Bevor das Haus zu dieser stolzen Bezeichnung kam, war es ein Gasthaus und trug den Namen: ,Kurtrierischer Hof'. Doch auch dieser Name hatte schon einen Vorgänger. Der es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht hat, besonders in den Zeiten, als in Schloss Engers die preußische Kriegsschule untergebracht war, die am 3. Januar 1863 eröffnet wurde und bis zum Beginn des 2. Weltkrieges 1914 Offiziere ausgebildete. Als ,Hotel Schunkert' war es Herberge des damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, als er der Kriegsschule einen Besuch abstattete und auch der Schwager von Kaiser Wilhelm II. Prinz von Schaumburg-Lippe hat dort sein müdes Haupt gebettet.

Marktplatz mit Martinsbrunnen
1357 erhielt Engers durch Kaiser Karl IV die Stadt und Marktrechte verliehen.
Dieser fand über die Jahrhunderte auf dem Marktplatz um den Martinsbrunnen statt.
Gehen Sie jetzt bitte rechts um das Schloß Engers herum. Dort sehen Sie hinter dem Cafe´ Heinrich eine große Bruchsteinmauer.
Burg Kunostein
Nachdem der Trierer Kurfürst Kuno II. von Falkenstein (1320-1388) 1371 Engers in Besitz genommen hatte, vollendete er die Stadtmauer und errichtete an dieser Stelle die Burg 'Kunostein`. Viele Jahre war sie der Sommersitz der Kurfürsten, bis 1693 im Raubkrieg Ludwigs XIV. von Frankreich die Franzosen sich in der Burg festsetzten.
Die Burg stand ungefähr da (ein paar Meter rheinabwärts), wo heute Schloß Engers über dem Rhein thront.
Die kaiserlichen Artilleristen beschossen die Burg und legten das Burghaus in Trümmer. Nur der mächtige Bergfried blieb erhalten. Die einzigen Reste der mittelalterlichen Burg ist ein mächtiger Mauerrest der Burg-Stadtbefestigung, die Mauer wurde beim Bau der heutigen Häuser mit einbezogen und dadurch erhalten.
Wir machen jetzt ein kleinen Spaziergang hinunter am Schloss vorbei bis zum Rhein.
Dort wenden Sie sich bitte nach rechts und folgen der Lindenallee bis zum, Grauen Turm.

Grauer Turm
Erbaut wurde der Graue Turm zwischen 1357 und 1371 von Graf Wilhelm I. zu Wied.
Dieser hatte, nach Erhalt der Stadtrechte 1357, an dieser Stelle mit dem Bau der Stadtmauer begonnen und wollte von dort den Rheinzoll erheben. Der Turm hatte in früheren Zeiten eine Spitzhaube und der Gang zum Rhein war überdacht. Heute wird er, Grauer Turm genannt, hieß jedoch früher, „Graven-Turm“. Aus dem mittelalterlichen „v“ wurde bei handschriftlich ungenauer Schreibweise ein „u“.
Nur 14 Jahre später verlor Graf Wilhelm zu Wied, nach einer Fehde mit dem Trierer Kurfürsten Cuno von Falkenstein,
die Stadt an denselben, der dann den Bau der Stadtmauer weiter vorantrieb und in Engers die Burg „Cunostein“ errichtete.
Von den insgesamt sieben Wehrtürme sind in Engers noch drei erhalten.
Weitere Infos zur mittelalterlichen Stadtmauer: Stadtmauerpfad 1371
Gehen Sie jetzt bitte ca. 50 m in der Lindenallee zurück. Links auf der Mauer prangt die Fassade des, Spee’schen Hauses'.

Das Spee-Haus
Erbaut zwischen 1530 und 1600, war es zeitweise das Haus der Zollschreiber.
Am 5. Oktober 1637 erwarb Graf Hermann vonHatzfeld das Anwesen. Sein Sohn, Graf Melchior von Hatzfeld; war während des Dreißigjährigen Krieges Oberbefehlshaber der kaiserlichen und kursächsischen Armeen und hatte bei Wittstock und Jankau gegen die Schweden gefochten. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 ließ er sich dauerhaft in Engers nieder. Er starb ohne Nachkommen und das Haus ging durch Erbschaft an die Grafen von Hillesheim, später an die Grafen von Spee über, die Namensgeber des, Spee-Hauses.
Weitere Informationen zum Spee-Haus
Früher mit einer zweigiebeligen Renaissancefront ausgestattet wurde das Haus im Laufe der Jahre ‚modernisiert' und erhielt die heutige Fassade. 1811 erwarb Fürst Friedrich-Wilhelm von Nassau Weilburg nach langen Verhandlungen das Spee-Haus für 12.000 Gulden von dem Speltdorfer Grafen Franz Anton von Spee. 1815 tauschte der Fürst seinen rheinischen Besitz, zu dem auch Schloss Engers gehörte, mit dem Preußischen Staat. Preußen hatte jedoch zunächst für Schloss und Kavaliershaus, wie das Spee-Haus auch genannt wurde, keine Verwendung. Erst mit der Errichtung der vierten Preußischen Kriegsschule 1863 in Schloss Engers wurde das Spee-Haus im oberen Geschoss Wohnung der Kommandanten und im Untergeschoss waren Büroräume und die Bibliothek untergebracht. Diese Bibliothek umfasste insgesamt 32.000 Bände. 1928 erwarb die Kölner Josefs-Gesellschaft Schloss, Spee-Haus, Meisterhaus und Garten für 200.000 Goldmark. Das Spee-Haus wurde Sitz des jeweiligen Direktors. Heute ist es Verwaltungsgebäude des Heinrich-Hauses.
Bitte folgen Sie der Rheinpromenade rheinaufwärts und bleiben bitte vor dem Schloß Engers stehen.
Schloss Engers
1758 befahl der Trierer Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff, die Burgreste abzutragen und an ihrer Stelle ein Schloss zu errichten, welches er als Jagdschloss nutzen wollte. Fertiggestellt zwischen 1764 und 1765, wurde es jedoch bei der Lebenslust des Kurfürsten auch zu einem Lustschloss. Für die Errichtung verantwortlich zeichnete sich der kurfürstliche Baumeister Johannes Seiz. Die prächtigen Stuckaturen schuf Michael Eytel. Das Deckengemälde im Saal der Diana und die Ausmalung stammen von Januarius Zick, die Bildhauerarbeiten von Ferdinand Dietz und Josef Feill.
Die Kunstschmiedearbeiten sind Michael Glauckert und den Schlossern Schneider und Diemont zugeschrieben. Johann Philipps Nachfolger im Amt, Kurfürst und Erzbischof Clemens Wenzeslaus von, Sachsen wurde in der Folge der Französischen Revolution 1794 vertrieben. Durch Reichsdeputationshauptschluss fiel Engers 1803 an Fürst Friedrich-Wilhelm von Nassau-Weilburg, der es 1815 mit Preußen gegen Dillenburg eintauschte. 1816 wohnte der Kronprinz von Preußen und spätere König Friedrich Wilhelm IV. in Schloss Engers. 1818 zog der preußische Staatskanzler Fürst von Hardenberg hier ein.

Preußische Kriegsschule im Schloß Engers
1862 bestimmte König Wilhelm I., nach einer Besichtigung in Engers, dass in dieses Schloss die vierte Kriegsschule Preußens eingerichtet werden sollte. Sie bestand auch von 1863 bis 1914. Während des 1. Weltkrieges war Schloss Engers Militärlazarett. In der Kriegsschulzeit wurden über 5.000 Offiziere hier ausgebildet. Zu ihnen gehörten die Generale Fritsch, Groener, Fhr. v. Richthofen und von Manstein. Ludendorf fungierte u. a. als Lehrer.
Orthopädische Klinik im Schloß Engers
Nach dem 1. Weltkrieg stand das Schloss bis 1928 leer und wurde dann von einer Gesellschaft für Krüppelfürsorge für 200.000 Goldmark, einschließlich Meisterhaus, Spee-Haus und Gartengelände erworben. Die Erwerberin, die Josefs-Gesellschaft aus Köln, richtete im Schloss eine Orthopädische Klinik ein. Als diese weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Fachklinik nach Bendorf verlagert wurde, ging Schloss Engers 1990 in den Besitz des Landes Rheinland-Pfalz über.
Villa Musica im Schloß Engers
Nach einer aufwändigen Restaurierung des Schloß Engers zog im Jahre 1995 die ,Akademie für Kammermusik' ein, getragen von der Landesstiftung ‚Villa Musica'. Seit dieser Zeit werden hier begabte musikalische Talente von ausgesuchten Dozenten unterrichtet und fortgebildet. Mit ihren exzellenten Abschlusskonzerten bereichern sie die Neuwieder Musikszene und qualifizieren den Stadtteil Engers zu einem musikalischen Zentrum in Rheinland-Pfalz.

Meisterhaus /Landes-Musik-Akademie
2000 erwarb die "Villa Musica'" das Meisterhaus, um dort ein Zentrum der musikalischen Breitenarbeit im Lande einzurichten. Seit 2003 hat das Meisterhaus diese neue Aufgabe. In ihm befindet sich die zentrale Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz. Sie ist die zentrale Bildungs- und Begegnungsstätte aller Musikverbände des Landes und bietet mit 50 Übernachtungsmöglichkeiten Platz für die musikalischen Vereine und Verbände. Die große Nachfrage machte die Errichtung eines weiteren Gästehauses erforderlich, das in unmittelbarer Nähe errichtet werden konnte. 2023 übernahm die Landesmusikakademie weitere Räume und Hotel im Schloß Engers, sowie das Hotel Residenz Schloß Engers. Mit ca. 20.000 Übernachtungen und Weit über 100 Konzerte im Jahr zeugen von der erfolgreichen Tätigkeit dieser Institution.
Direkt neben dem Meisterhaus befindet sich ein mittelalterliches Fachwerkhaus mit imposanten Mauerreste des Zollpfortenturm.

Zollpfortenturm und ältestes Haus von Engers
Die historische Rheinfront besteht im Kern aus dem denkmalgeschützten Ensemble aus Schloss Engers, Meisterhaus (Landesmusikakademie) und dem angrenzenden mittelalterlichen Fachwerkhaus. Dieses wunderschöne Fachwerkhaus, gebaut Anno 1617, gilt als “ältestes Haus” von Engers, und es ist mit den Resten der Stadtmauer und dem Zollpfortenturm (BJ ab 1371) ein beliebtes Fotomotiv.
Gebaut wurde dieses herrschaftliche Haus 1617 in den Wirren vor dem 30 jährigen Krieg (1618-1648), wahrscheinlich von einem Weinhändler, was die filigranen Schnitzarbeiten von Weinreben im Fachwerk vermuten lassen. Engers war bis ins 19 Jahrhundert ein großer Weinort, was die historischen Weinkeller vieler alter Häuser (z. B. im Alten Rathaus oder Schloss Schenke) anschaulich erahnen lassen.
Die Außenfassade lässt noch Teile der ehemaligen Stadtmauer sowie den mächtigen Überrest des Zollpfortenturms von 1371 erkennen, der im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde.
Weitere Infos zur mittelalterlichen Stadtmauer: Stadtmauerpfad 1371
Im historischen Keller des Gebäudes befindet sich mietbare Räumlichkeiten „Wein am Rhein”. In diesem historischen Weinkeller befindet sich ein Stützgewölbe (erbaut 1371) . Dieses Stützgewölbe wurde 2017 bei den Ausschachtungsarbeitendes Weinkellers im Hochwasserschlamm der letzten Jahrzehnte entdeckt (s. Foto). Dieses Stützgewölbe dient der Stabilisierung des Baugrunds für die Stadtmauer und des Zollpfortenturms.
Mit diesem Stützgewölbe wurde die Gründung des Turmes am sandigen Rheinufer erst möglich. Das Haus beherbergt zur Zeit drei Ferienwohnungen mit den Namen "Rheintal", ”Rheingold” und die Maisonette-Wohnung "Rheinromantik". Buchbar unter www.FerienamRhein.de.
Gehen Sie jetzt bitte ca. 200 m weiter rheinauf, bis an den Treppenaufgang am Anfang der Platanenallee, dort sehen Sie eine Wandmalerei des Römischen Burgus.
Der Original Burgus befand sich ca. 100m weiter Rheinaufwärts s. Hinweistafel.

Spätrömischer Burgus
Nachdem der römische Grenzwall ‚Limes' 260 n. Chr. aufgegeben wurde und die Römer sich auf die linke Rheinseite zurückgezogen und der Rhein die sogenannte “nasse Grenze” bildete, bedeutete dies noch nicht die römische Einflussnahme im Lande östlich des Stromes. Der Schiffs- und Fährverkehr blieben weiterhin unter römischer Kontrolle. Zu diesem Zweck errichteten sie auf dem rechten Rheinufer Burgi (Schiffsländen), als befestigte Brückenköpfe. So entstand in dieser spätrömischen Zeit unter Valentinian I. (364-375) eine solche Anlage in Engers, von dem noch ansehnlichen Reste erhalten sind. Der Engerser Burgus ist der besterhaltene am gesamten Rhein und wurde 1980 durch das Terrassenhaus Klosterstr. 12, überbaut.
Weitere info und Bilder des Burgus unter: Römische Meile Engers
Wenn Sie jetzt weiter rheinaufwärts gehen, bis Sie an eine breite Treppe kommen.
Wahrschauerstelle
Die rückwärtige Mauer auf dem Podest zeigt einen gemauerten Torbogen (s. Bild hinter der Sitzbank). Die früher dort befindliche Türe ist zugemauert. Der Torbogen zeigt noch den Eingang zu der ehemaligen Kapelle, die im 17. Jahrhundert errichtet wurde. Doch an dieser Stelle wurde sie von den früher noch öfter bis dorthin steigende Hochwasser überspült. Einmal sogar sprengte das Wasser die Eingangstüre und riss die hölzerne Madonna mit den Fluten fort. Diese alte Kapelle diente in früheren Zeiten auch als sogenannte Wahrschauerstelle'. Sie wies durch ein eigens aufgestelltes Licht auf eine Sandbank im Rhein hin, genannt: die ‚Hornung', auf der immer wieder Schiffe aufliefen, die dann, entweder entladen werden oder auf höheres Wasser warten mussten.
Gehen Sie jetzt bitte ein kurzes Stück weiter und dann links bergauf bis zur neuen Rheinkapelle.

Rheinkapelle
Im Jahre 1923 wurde dann, auf den Grundmauern dieser alten Kapelle eine neue errichtet. Kapellenbauer waren damals dieEngerser Eisenbahner. Sie statten damit einen Dank an die Gottesmutter dafür, dass sie im 1. Weltkrieg 1914/18 nicht zurReichswehr eingezogen wurden, weil sie im großen Engerser Bahnbetriebswerk kriegserhaltende Reparaturen an Lokomotiven und Waggons der Reichsbahn ausführen mussten. Für einen, fast in der ganzen Welt bekannten katholischen Geistlichen war diese Kapelle für längere Zeit tägliche Gebetsstätte. Pater Josef Kentenich, der Begründer der, von Vallendar ausgehenden weltweiten Schönstattbewegung, suchte sie täglich auf, als er mit seinem Orden in Zwist lag und im Engerser Kloster St. Augustin, das nahe bei der Kapelle lag, für einige Zeit Asyl suchte und fand.
Gehen Sie bitte weiter bergauf und biegen dann links ab. Folgen Sie der Klosterstraße. Nach knapp 100 m befindet sich rechts die Dietrich-Bonhoeffer-Straße, in welcher sich die Evangelische Kirche befindet.
Die Evangelische Dietrich-Bonhoffer-Kirche
Neu benannt wurde die Kirche nach dem im Konzentrationslager umgekommenen Theologen Dietrich Bonhoeffer. Erbaut wurde sie 1902. Mit ein Grund für ihre Errichtung war sicher auch die Tatsache, dass in der Preußischen Kriegsschule (1863-1914) im Schloss viele aus Preußen stammende evangelische Kriegsschüler ihre Ausbildung erhielten. Denn der Ort Engers ist, bedingt durch die jahrhundertealte kurtrierische Herrschaft vorwiegend katholischen Bekenntnisses. An der Kirche befindet sich auch die jetzige Ruhestätte der Familie Viebahn. Ihre erste Grablege erhielt die Familie auf einem Privatfriedhof in der jetzigen Straße „Am hohen Rhein“. Georg Viebahn war, während der Kriegsschulzeit des Schlosses lange Jahre deren Direktor. Die Familie stand in enger Verbindung zum preußischen Kaiserhaus und heute noch ist in Berlin eine Straße nach ihr benannt.
Zurück auf der Klosterstraße folgen Sie dieser weiter, bis Sie links an einen Turm kommen, der in die Straße hineinragt, in unmittelbarer Nähe der katholischen Kirche St. Martin.

Duckesje
Ein weiterer Wehrturm aus der ehemaligen Engerser Stadtmauer, das Duckesje. Seinen Namen erhielt der Turm, weil er zeitweise auch als Gefängnis genutzt wurde. Errichtet wurde er um 1371 als einer der sieben Wehrtürme der Engerser Stadtmauer aus dem Jahre 1371. In diesem Halbschalenturm wurde in der Zeit der rheinischen Räuberbanden, darunter auch die Neuwieder Bande, die in der Zeit zwischen 1750 und 1850 ihr Unwesen trieben, ein Mitglied der Neuwieder Bande, der, schäle „Jickjack“ gefangen gehalten. Sein Räuberhauptmann, Mathias Weber, genannt der ‚Fetzer', befreite ihn, zusammen mit den Bandenmitgliedern ,Der Daumen' und dem Hammerich aus dem Verließ. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Landstreicher und, Fahrendes Volk', welche sich abends noch in Engers aufhielten, aus Sicherheitsgründen bis zum Morgen dort eingeschlossen. Heue dient er den Engerser Pfadfindern als Versammlungsstätte.
Weitere Infos zur mittelalterlichen Stadtmauer: Stadtmauerpfad 1371
Folgen Sie bitte der Klosterstraße ein kurzes Stück weiter, und biegen dann nach rechts ab bis zur Katholischen Kirche.
Katholische Kirche St. Martin
Die Kirche wurde im Jahre 1900 errichtet, doch bereits im Jahre 906 richtete der Trierer Bischof Radbod, bei der Neuordnung seines Bistums, in Engers ein Dekanat ein, dass in seinen Ausdehnungen bis zur heutigen Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen, rheinauf bis zur Lahnmündung und in den Westerwald bis nach Dreifelden reichte. Es war somit dem "Engersgau" identisch, den die Franken bei der sogenannten "Fränkischen Gauteilung" im 3. bzw. 4. Jahrhundert errichteten. Urkundliche Nachweise für einen frühen Kirchenbau finden wir um 1200, in denen die Kirche zu Engers als „Mutterkirche“ bezeichnet wird. Bei dem großen Brand in Engers 1778 wurde auch die Kirche ein Raub der Flammen. Die danach 1785 erbaute Kirche wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts zu klein und an ihrer Stelle wurde die heutige Kirche 1900 fertiggestellt.
Gehen Sie bitte weiter um die Kirche herum bis zum Eingang des Friedhofs.

Totenhäuschen
Dort steht links der dritte noch erhaltene Wehrturm der Engerser Stadtmauer aus dem Jahre 1371. Das Totenhäuschen erhielt diesen Namen, weil dort im unteren Teil früher die Leichen des Ortes aufgebahrt wurden, bis zur Beerdigung. Im oberen Geschoss wohnten früher zeitweise Fürsorgeempfänger, so z. B. das, Keller-Kattche’. Sie war eine arme Frau, die sich ein paar Groschen damit verdiente, dass sie, wenn armer Leute Kind gestorben war, den Kindersarg bei der Beerdigung auf dem Kopf vom Trauerhaus bis zum Friedhof trug. Später wohnte dort der Hesse-Bernhard, ein Engerser Original.
Weitere Infos zur mittelalterlichen Stadtmauer: Stadtmauerpfad 1371
Weiter geht es vom großer Parkplatz an der Kirche, biegen Sie rechts ab und folgen der Jakobstraße, sie hieß früher: ‚Judengasse', wurde aber, während der Nazizeit umbenannt, bis zu Bendorfer Straße.
Dort gehen sie kurz nach links und sehen dann gegenüber auf der anderen Straßenseite eine Kapelle.

Pestkapelle
Nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648), der auch in der hiesigen Gegend wütete, war die Bevölkerung verarmt und geschwächt, ein Nährboden für Seuchen. Immer wieder raffte die Pest weite Teile der Menschheit hin und auch Engers war davon betroffen. Nur fünf Familien überlebten die Plage. Die Sage erzählt, dass sie ein Gelübde abgelegt hätten, wenn sie die Pest übersehen sollten, dass sie zum Dank dafür eine Kapelle errichten wollten. Und die Sage berichtet weiter, dass, nach diesem Gelübde in der folgenden Nacht ein großes Getöse anhub und, wie von Geisterhand getrieben ein schwarzes Fass durch die Straßen in den Rhein rollte und von Stund' an, die Pest aus Engers verschwunden war. 1662 wurde die Kapelle fertiggestellt und dem heiligen. Sebastian, dem “Pestheiligen” geweiht.
Gehen Sie jetzt weiter auf der Bendorfer Straße bis zu der Ampelkreuzung, an der Sparkasse, dort sehen Sie den Wasserturm und an der Ecke Neuwieder Strasse Alte Schloßstrasse das Hotel Römerbrücke.

Wasserturm und Wasserwerk
Der Wasserturm und das Wasserwerk wurden im Jahre 1900 zur Trinkwasserversorgung der Stadt Engers erbaut.
Im alten Wasserwerk, in dem sich heute die Feuerwehr Löschzug Engers (Neuwieder Straße) befindet,
waren Pumpen beheimatet, die das Trinkwasser über eine Leitung aus einer Quelle in den Untergeschossen in den Wasserturm pumpten. Der Wasserturm diente damit als Hochbehälter für die reibungslose Trinkwasserversorgung der ehemals selbständigen Stadt Engers. Der Turm wurde von der Unteren Denkmalschutzbehörde bei der Kreisverwaltung Neuwied unter Denkmalschutz gestellt

Hotel Römerbrücke
Dieses Haus hat eine sehr bewegte Vergangenheit. Es wird in dem historischen Roman von Bernd von Guseck:, Unter dem Krummstab', erschienen 1865, schon erwähnt im Zusammenhang mit der Einweihung von Schloss Engers 1762, als Gasthaus für die Unterbringung der von Kurfürst Johann Philipp von Walderdorff geladenen Gäste. Es diente auch früher als Station der Postkutschen, die dort ihre Pferde wechselten. Unter dem Namen, Römerbrücke` ist es noch vielen alten Engersern bekannt, als Hotel, Gasthaus mit Saal in der ersten Etage und einer Weinstube, gehobenes Speiselokal und, als die gegenüberliegende Geschäftsstelle der Sparkasse noch nicht erbaut war, befand sich auf diesem Gelände eine Außengastronomie mit einem Tanzboden.
Wenn Sie möchten spazieren Sie durch die Alten Schlossstraße wieder zurück zum ,Alten Rathaus' .
Oder nützen Sie das Gastronomische Angebot von Engers, und genißen Sie ein Eis, Kuchen oder ein gutes Essen.
Wir hoffen, dass Ihnen der Rundgang durch Engers gefallen hat.
Weitere historische Gebäude in Engers.

Eisenbahnbrücke Kronprinz-Wilhelm-Brücke
Erbaut wurde die Brücke zwischen 1915 und 1918 mit der baugleichen Remagener Brücke. Im Pilsner Tageblatt vom 2. Mai 1918 finden wir folgende Meldung: Kaiser Wilhelm hat an den Kronprinzen folgendes Telegramm gerichtet: Es ist mir eine große Freude Dir mitzuteilen, daß ich heute befohlen habe, daß die Rhein-Eisenbahnbrücke bei Engers, welche in großer Zeit erbaut, der Landesverteidigung wichtige Dienste leisten soll, den Namen „Kronprinz-Wilhelm-Brücke" führen soll. Im 2.Weltkrieg wurde die Brücke am 9. März 1945 gegen 7.30 Uhr durch deutsche Pioniere gesprengt, obwohl sich noch hunderte von flüchtenden deutschen Soldaten auf der Brücke befanden. Nach dem Krieg begann man bereits 1947 mit dem Wiederaufbau, jedoch nicht als Fachwerkbogenbrücke sondern als einfachere Fachwerkkastenbrücke. Wegen fehlender finanzieller Mittel konnte sie erst im Jahre 1954 fertiggestellt werden.

Reiler Pütz Brunnen
Von dem hier ehemals existierenden Dorf Reil sind nur noch die Überreste dieses Brunnens vorhanden.
Das 1252 erstmals schriftlich erwähnte Dorf Reil, unweit von Engers gelegen, wurde im 17. Jahrhundert aufgegeben. Nach dem 30-jährigen Krieg und der Pest von 1662, die nur fünf Engerser Familien überlebten, zogen viele Reiler in die entvölkerten Häuser von Engers. Bis 1684 lebten dort so wieder 59 Familien. Heute ist Reil vor allem durch die Heddesdorfer Pfingstreiter bekannt, die dort seit 461 Jahren von den Engersern ihren "Tribut" erhalten.
Kapelle an der Kronprinzenbrücke
Der Ursprung dieser Kapelle ist unbekannt. Es wird jedoch vermutet, dass sie am Beginn eines Pilgerweges zur Abtei Sayn liegt und in Verbindung gebracht werden kann mit dem untergegangenen Dorf Reil im Engerser Feld.
Text und Bild: Thomas Focke
Urfassung: J. Kretzer
